Am 1. Mai fand eine kurze Rede von Menschen des KSV und der GRAS Salzburg zum Thema Ökonomisierung der Bildung und zur Bewerbung des Freien Bildungstags statt.
Hier auch der Text zum Nachlesen
Liebe Freundinnen, liebe Freunde.
Ein Gespenst geht um an den europäischen Universitäten. Doch es ist nicht wie vielleicht
noch vor 40 Jahren der Geist der Emanzipation: es ist die umfassende Ökonomisierung der
Bildung.
Was bedeutet das Konkret?
Aufgrund der verstärkten Ausrichtung der Bildungspolitik nach kapitalistischen
Gesichtspunkten steht die Profitabilität der Bildungsinvestitionen im Vordergrund. Der
Universitätsalltag ist geprägt von Finanzknappheit in Forschung und Lehre, Prekarisierung
der universitären Arbeitsverhältnisse, Drittmittelfinanzierung (und somit Abhängigkeit von
der Wirtschaft) und zunehmender ökonomischer Verwertung von Wissensund
Forschungsinhalten. Mit der Einführung der Studiengebühren befinden sich die
Studierenden nun in einer Kundenbeziehung zur Universität, sie konsumieren die „Ware“
Bildung.
Universitäten sollten jedoch ein Ort sein, an dem aufgeklärte Wissenschaft stattfinden kann.
Doch Wissenschaft bedeutet nicht unreflektiertes Forschen zugunsten der Kapitalinteressen.
Rudi Dutschke hat einmal gesagt: „Wissenschaft ist das Moment der Selbstbefreiung der
Menschen von unbegriffenen Mächten“.
Wissenschaft soll also heißen: sich bewusst werden über die gesellschaftlichen
Herrschaftsverhältnisse und die eigenen Verstrickungen in sie. Wissenschaft soll also
heißen: sich selbst ermächtigen mit dem Ziel, allen Menschen ein selbstbestimmtes Leben
zu ermöglichen.
Was wir im Universitätsalltag erleben, ist hingegen oft das genaue Gegenteil.
Bildung wird degradiert zu Ausbildung.
Es geht nicht um kritische Reflexion, sondern um eine möglichst effiziente Reproduktion
von Wissen und Wissenschaft im Sinne der Herrschaftsinteressen.
Exemplarisch dafür ist die Einführung des Bachelorstudiums im Zuge des Bolognaprozesses,
das verschult, durchstrukturiert und ganz auf die Verwertung am Arbeitsmarkt
zugeschnitten ist.
Gleichzeitig wird Bildung immer mehr zu einem Privileg der Eliten. Die Selektion nach
sozialer Herkunft, Schicht und Klasse beginnt bereits in der Schule und setzt sich fort an
den Universitäten.
Studiengebühren und knapp bemessene Stipendien zwingen viele Studierende zu prekärer
Arbeit neben dem Studium. Somit bleibt keine Zeit und Energie für die erwähnte kritische
Reflexion oder gar politisches Engagement.
Was sich hier spiegelt, ist das Prinzip der kapitalistischen Gesellschaft selbst: eine
Gesellschaft, in der es ein oben und ein unten gibt, Herrschende und Beherrschte. Eine
Gesellschaft, in der tendenziell jeder Lebensbereich den Verwertungsinteressen des Kapitals
untergeordnet werden soll.
Aus diesen Gründen bleibt kein Platz für kritische Diskurse über die Freiheit der
Wissenschaft und ihrer Lehre im Zeichen gesellschaftlichen Fortschritts.
Als Opposition gegen diese Entwicklungen entstand die Idee des Freien Bildungstages.
Dieses Projekt setzt sich zum Ziel, Bildung von „unten“ zu vermitteln: also den
hierarchiefreien Zugang zu Rezeption und Vermittlung von Bildung zu ermöglichen.
An einem oder Mehreren Tagen im nächsten Wintersemester wollen wir verschiedensten
auch außeruniversitären Gruppen oder Einzelpersonen die Möglichkeit bieten, Wissen
auszutauschen, zu diskutieren und sich zu vernetzen.
Falls ihr mehr über den Freien Bildungstag erfahren möchtet, könnt ihr nachher beim Fest
im Lehner Park bei unserem Infostand vorbeischauen. Oder ihr schaut auf die Website
www.freierbildungstag08.wordpress.com
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